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Das Gold-Silber-Ratio (auch Gold-to-Silver Ratio genannt) ist eine der ältesten und verlässlichsten Kennzahlen der Finanzgeschichte. Es drückt das mathematische Wertverhältnis zwischen einer Unze Gold und einer Unze Silber aus.
Anleger nutzen dieses Verhältnis seit Jahrhunderten, um Unterbewertungen und Überbewertungen auf dem Edelmetallmarkt zu identifizieren. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit gewinnt das Gold-Silber-Ratio regelmäßig an Bedeutung, da es als strategischer Indikator für das Umschichten von Vermögenswerten dient.
Die mathematische Berechnung des Gold-Silber-Ratios
Die Berechnung des Verhältnisses ist denkbar einfach. Man teilt den aktuellen Goldpreis pro Feinunze durch den aktuellen Silberpreis pro Feinunze. Wenn der Goldpreis beispielsweise bei 2.400 US-Dollar liegt und der Silberpreis bei 30 US-Dollar notiert, beträgt das aktuelle Gold-Silber-Ratio genau 80. Das bedeutet im Klartext:
Ein Investor muss zu diesem Zeitpunkt 80 Unzen Silber verkaufen, um eine einzige Unze Gold zu erwerben. Das Gold-Silber-Ratio ist extrem dynamisch. Da sich sowohl der Goldpreis als auch der Silberpreis sekündlich an den globalen Rohstoffbörsen ändern, schwankt auch das Verhältnis kontinuierlich.
Historischer Kontext und fixe Wechselkurse
Historisch gesehen war das Gold-Silber-Ratio über lange Zeiträume hinweg stabil oder sogar staatlich fixiert. Im antiken Rom lag das Wertverhältnis oft bei etwa 12:1. Mit dem Coinage Act von 1792 in den USA wurde das Gold-Silber-Ratio gesetzlich auf 15:1 festgelegt.
Das bedeutete, dass Silber im Vergleich zu heute einen dramatisch höheren Stellenwert besaß. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts, insbesondere mit dem Ende des klassischen Goldstandards und der Einführung reiner Fiat-Währungen, entkoppelte sich das Verhältnis vollständig.
Ohne staatliche Preisbindungen begann das Gold-Silber-Ratio frei zu schwanken und erreichte in Krisenzeiten extreme Höchststände.
Warum das Gold-Silber-Ratio schwankt
Die Treiber hinter den Schwankungen des Gold-Silber-Ratios liegen in den unterschiedlichen Fundamentaldaten der beiden Edelmetalle. Gold gilt primär als monetäres Metall, als sicherer Hafen und als Schutz vor Inflation. Es wird kaum industriell verbraucht. Silber hingegen ist ein hybrides Metall. Es besitzt zwar eine monetäre Historie, wird heute jedoch zu über 50 Prozent in der Industrie eingesetzt. Die Solarindustrie, die Elektromobilität und die Elektronikbranche benötigen riesige Mengen Silber.
Wenn die Wirtschaft boomt, steigt die industrielle Nachfrage nach Silber oft schneller als die Nachfrage nach Gold. Dies drückt das Gold-Silber-Ratio nach unten, da Silber im Verhältnis zu Gold teurer wird. In einer schweren Rezession oder einer Finanzkrise bricht die industrielle Silbernachfrage jedoch ein. Gleichzeitig flüchten Investoren in das sicherere Gold.
Die Folge ist ein explodierendes Gold-Silber-Ratio, da der Goldpreis steigt, während der Silberpreis stagniert oder fällt.
Das Ratio als Trading- und Investment-Indikator
Für Edelmetall-Investoren und Trader bietet das Gold-Silber-Ratio eine konkrete Handlungsanweisung für antizyklisches Investieren.
- Hohes Gold-Silber-Ratio (z. B. über 80 oder 90): Silber gilt im historischen Vergleich als extrem unterbewertet. Gold ist relativ teuer. Strategische Anleger nutzen diese Phase, um Silber zu kaufen oder Gold in Silber umzuschichten.
- Niedriges Gold-Silber-Ratio (z. B. unter 50 oder 40): Silber ist im Vergleich zu Gold teuer oder überbewertet. Gold gilt als historisch günstig. Anleger tendieren in diesen Marktphasen dazu, Silbergewinne mitzunehmen und in Gold umzuschichten.
Das Allzeithoch erreichte das Gold-Silber-Ratio im März 2020 während des Corona-Crashes, als das Verhältnis auf über 120 anstieg. Wer in dieser Phase der extremen Silber-Unterbewertung physisches Silber kaufte, konnte in den Folgemonaten massive Gewinne erzielen, als sich das Verhältnis wieder normalisierte.
Die Rolle von Geologie und Förderung
Ein Blick auf die Geologie der Erde zeigt, dass Silber etwa 17-mal häufiger in der Erdkruste vorkommt als Gold. Aus rein geologischer Sicht müsste sich das natürliche Gold-Silber-Ratio also bei etwa 15:1 bis 17:1 bewegen.
Auch das tatsächliche Förderverhältnis der Minengesellschaften liegt meist in einem Bereich von 8:1 bis 10:1 (es wird etwa acht- bis zehnmal mehr Silber als Gold gefördert). Die Tatsache, dass das reale, marktabhängige Gold-Silber-Ratio in den letzten Jahrzehnten meist weit über 60 lag, zeigt die enorme Entkopplung der Märkte.
Viele Analysten argumentieren daher, dass Silber aufgrund dieser Diskrepanz langfristig das höhere Aufwärtspotenzial besitzt, sollte sich das Gold-Silber-Ratio jemals wieder seinen historischen oder geologischen Durchschnitten annähern.
Fazit für den Vermögensaufbau
Das Gold-Silber-Ratio ist kein Instrument für das exakte Timing von Tagescharts. Es ist vielmehr ein makroökonomischer Kompass für langfristig orientierte Edelmetall-Anleger. Wer die Zyklen des Ratios versteht, kann durch geschicktes Umschichten zwischen den beiden Metallen seine Gesamtzahl an Unzen kontinuierlich vermehren, ohne frisches Papiergeld investieren zu müssen. Es bleibt damit eine unverzichtbare Kennzahl im modernen Rohstoff-Trading.
Wenn Sie diese Strategie für Ihr Portfolio nutzen möchten, lassen Sie mich wissen:
- Bevorzugen Sie den Kauf von physischen Barren/Münzen oder ETCs/Zertifikaten?
- Planen Sie eine langfristige Anlage oder kurzfristiges Trading des Rifts?
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